Closed

WA Experiment Fazit

Mein kleines WhatsApp-Experiment ist gestern zu Ende gegangen. Hier nun ein paar Eindrücke und Gedanken von mir dazu.

WIE LIEF’S?

Zunächst mal die nackten Zahlen: Auf Facebook habe ich in dieser zweiwöchigen Testphase einen „Like“ verloren, dafür zwei hinzu gewonnen. Hat sich also nicht wirklich etwas verändert. In der WhatsApp-Gruppe waren maximal 19 Leute dabei, fünf Personen sind im Laufe dieser zwei Wochen ausgestiegen. Damit habe ich durchaus gerechnet. Alles im Rahmen.

WIE FÜHLTE ES SICH AN?

Merkwürdig. Wesentlich anders. Bei Facebook oder hier auf der Website stelle ich meine Arbeiten vor oder poste halt irgendetwas rund um mein Arbeitsleben, was eventuell für andere Leute interessant sein könnte und weiß dabei: Wer Bock hat, liest es, wer nicht, der nicht. Einige erreiche ich ohnehin gar nicht.

Das war nun bei der WhatsApp-Gruppe komplett anders. Wenn ich jetzt eine Nachricht losgeschickt habe, wusste ich, dass ich bei jedem von Euch direkt auf dem Handy lande. Also in etwa so, als würde ich jedes Mal nach einem kurzen Anklopfen bei Euch ins Wohnzimmer reingeschneit kommen und eine Info in den Raum rufen. Schon allein aus diesem Grund habe ich mich oft auch zurückgehalten und auf einige Chats nicht reagiert.

WAS FIEL MIR AUF?

Gleich zu Beginn war auffällig, dass sich offenbar relativ viele Gruppenmitglieder animiert fühlten, auch etwas in den Chat hinein zu schreiben – teils auch Infos, die mit meinem ursprünglichen Posting nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun hatten. :) Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Aber ich fand es trotzdem gut – auch wenn ich mich zwischendurch gewundert hatte – denn genau solche Erfahrungen wollte ich ja machen. Von ein paar Leuten, die die Gruppe verlassen haben, habe ich beispielsweise auch als Feedback bekommen: “Sorry, aber da wurde mir zu viel geschrieben, was mich nicht interessiert hat.” o.ä. Ich habe mir dieses aktive Chatten damit erklärt, dass eventuell einige zum ersten Mal Mitglied in einer WA-Gruppe waren und es ebenso erstmal ausprobieren wollten. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ist halt einfach eine Vermutung von mir.

Lustigerweise legte sich diese Aktivität ziemlich schnell, nämlich bereits nach  zwei Tagen. In der Folgezeit gab es nur vereinzelte Antworten auf Nachrichten von mir oder ich schrieb sogar völlig ohne Resonanz in den Raum rein. Das lag aber möglicherweise auch daran, dass ich aufgrund der turbulenten Projekte nicht so richtig die geilen News raushauen konnte, die ich geplant hatte. Meine Meldungen waren vielleicht zu unsexy. :)

Warum auch immer wurde es jetzt am Samstagabend, kurz nachdem ich das Ende des Tests und die Löschung der Gruppe ankündigt hatte, plötzlich nochmal richtig wild. Ich bin mit dem Lesen gar nicht nachgekommen. Das war sehr unterhaltsam, Jungs… :)

Ein ganz wichtiger Punkt ist selbstverständlich – ganz banal – die Reichweite. Ich kann zu einer WA-Gruppe maximal 50 Personen hinzufügen (iPhone unter iOS7). Als ich kurzfristig mal mehr Leute erreichen wollte, habe ich dann doch schnell Facebook genutzt. Also einen Minuspunkt für die Reichweite. Andererseits: Man stelle sich mal eine komplette Gruppe mit 50 Personen vor – und nur die Hälfte davon agiert so aktiv wie 5-6 Leute jetzt hier beim Experiment… da rappelt’s aber im Karton.

UND? WAS GELERNT, KUCHEL?!

Ja, ‘ne Menge. Ich habe mir natürlich während dieser zwei Wochen die Frage gestellt, unter welchen Voraussetzungen solch eine WA-Gruppe funktioniert und warum sie in diesem konkreten Fall (noch) nicht die optimale Lösung ist. Für eine Schulklasse  ist so eine WA-Gruppe mit dem Chat beispielsweise super. Die Gründe dafür sind in meinen Augen:

– alle Gruppenmitglieder kennen sich untereinander

– die Themen sind zwar durchaus unterschiedlich, aber die Klassengemeinschaft ist der gemeinsame Nenner

– keiner möchte verpassen, “was so läuft”

Bei diesem Experiment kannten sich nur vereinzelt ein paar Leute. Nicht jeder konnte mit den anderen Mitgliedern oder deren Postings etwas anfangen. Absolut verständlich. Nach der ersten Woche hatte ich mir überlegt, ob die „Broadcast”-Funktion von WhatsApp eventuell die bessere Lösung für meinen Test sein könnte.

Bild links: Der BROADCAST-Button oben links über der Chat-Übersicht. Bild Mitte: Verteiler erstellen durch Hinzufügen von Kontakten über den PLUS-Button. Bild rechts: Broadcast-Nachricht in blau inkl. Megaphon-Icon.

Bild links: Der BROADCAST-Button oben links über der Chat-Übersicht. Bild Mitte: Verteiler erstellen durch Hinzufügen von Kontakten über den PLUS-Button. Bild rechts: Broadcast-Nachricht in blau inkl. Megaphon-Icon.

Bei der iPhone-App ist der Button direkt oben links in der Chat-Übersicht, bei Android ist die Funktion etwas versteckt im Menü. Blackberry bietet scheinbar gar kein Broadcasting an (gecheckt am Z10). Das WA-Broadcasting funktioniert einfach ausgedrückt wie eine Massen-Mail, bei der die Empfänger NICHT auf “Allen antworten” klicken können.

Man kann sich einen offenbar unbegrenzt großen Verteiler zusammenstellen, der unter BROADCAST auch für zukünftige Nachrichten bestehen bleibt (Fragt mich nicht, wie man das Teil löscht! Ich krieg’s nicht hin!). In diesem Fall bin ich nun persönlich der Absender, d.h. meine Nachricht erscheint bei jedem  Empfänger als Chat zwischen ihm und mir – nur dass die Broadcast-Nachricht (zumindest bei iOS und Android, bei Blackberry nicht!) farblich anders dargestellt wird und ein kleines Megaphon-Icon zu sehen ist. Antwortet einer der Empfänger nun, erhalte nur ich seine Antwort, nicht die anderen Empfänger. Auch nicht schlecht. Genaueres hier.

Was ich ja aber ganz nice fand: Ich konnte der Gruppe das Thema “By Kuchel” geben und das Logo einklinken. Das würde beim Broadcasting wegfallen. Es sei denn, man legt eine extra Nummer für diesen Zweck an. Ich hatte mich dann aber dagegen entschieden, quasi den Modus mittendrin zu wechseln, weil ich es einmal komplett „durchspielen“ wollte.

UND JETZT?

Keine Ahnung. Mal sehen, wofür ich diese Erfahrungen mal gebrauchen kann. Aber ich bin mir durch diese zwei Wochen sicher, dass WhatsApp – je nach Projekt – eine wirklich interessante Lösung sein kann und auch redaktionell nutzbar ist. Ich weiß jetzt, was in so einem Modell funktioniert, was nicht – und wie das Konzept aufgebaut sein müsste, um erfolgreich zu sein. Meine konkreten Ideen und Ansätze behalte ich aber für mich und werde ich hier nicht ausbreiten. Sorry! :)

Fazit: Es war nicht super, es war nicht schlecht. Es hat mir jedenfalls absolut wertvolle Erkenntnisse gebracht und allein dafür hat sich das kleine Experiment gelohnt. Deshalb ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an alle Mitwirkenden fürs Mitlesen und Mitmachen! Vielleicht mögt Ihr hier in den Kommentaren schreiben, wie Ihr es empfunden habt und wie Eure Einschätzung ist, auch die „Aussteiger“ – ganz offen und schonungslos. Könnt Ihr ja ggf. auch mit anonymen Namen machen. Würde mich freuen!

5 Comments

  • Michaela sagt:

    Danke für das Experiment. interessant zu lesen. Auch wenn ich selber fleissige wa nutzerin bin , würde ich persönlich für die besprochene Idee LINE nutzen. Vorteile: LINE ist eine Mischung aus FB, WA und Instagram und man kann damit sehr viel mehr “spielen”. Noch ist LINE in good old Germany etwas sehr verhalten (da wäre also das Problem Mitmacher zu animieren), aber es ist stark im kommen und hat schlussendlich weltweit mehr Nutzer als WA.

  • Matthias sagt:

    Oh, vielen Dank für den Tipp, Michaela! Habe ich noch nie von gehört, muss ich mich mal schlau machen.

  • lothar sagt:

    bis ich irgendwann doch noch smart-phonist werde, möchte ich die news by kuchel ins wohnzimmer gerufen haben.

  • Christopher Fleck sagt:

    Als die Gruppe gestartet wurde ging es tatsächlich ziemlich schnell los mit vielen persönlichen Kommentaren. Ich dachte mir na gut, das hat der Matthias also als Experiment gemeint und einen ebensolchen Post reingestellt, ebenso nach Bekanntgabe der Schließung der Gruppe.
    Vielleicht hättest Du vorab deutlicher machen sollen was Du genau vorhast, dann wäre die private Konversation wahrscheinlich erst gar nicht gekommen.
    Dein Fazit erklärt nahezu alles, vielen Dank!
    Ich bedanke mich jedenfalls dafür eines der Versuchskaninchen in Deinem Experiment gewesen zu sein.

  • Pam sagt:

    Also, ich fand es sehr cool bei dem Experiment dabei gewesen zu sein. Da ich WA bereits zum Gruppenchat nutze, hat mich der Verlauf und Ausgang des Experiments wenig gewundert, sondern ist so verlaufen wie ich es vermutet hatte, Stichwort: Schulklasse. Es kommuniziert sich eben immer anders, wenn man sich kennt. Das vergessen leider auch häufig Redakteure oder Medienmacher (im weitesten Sinne), wenn von neuen Trends die Rede ist … Whatsapp als Kommunikationsmedium von Redakteur zu Leser kann ich mir bspw. so nicht vorstellen.
    Anyway, ich freue mich aufs nächste Experiment. Oder nein warte, bei Kuchel muss man mit solchen Äußerungen ja vorsichtig sein ;-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>