Happy Birthday, Ede!

Gerade gelesen: Eduard „Ede“ Geyer feiert heute seinen 70. Geburtstag – und deshalb auch von meiner Seite herzlichste Glückwünsche! Schließlich stand Ede mal vor unserer Kamera und folgte meinen Regieanweisungen. Für die, die jetzt im Fußball nicht ganz so zu Hause sind, sei kurz erklärt: Geyer war früher ein Spieler in der DDR-Oberliga, Trainer der DDR-Nationalmannschaft (1989-1990) und nach dem Mauerfall auch in der Bundesliga tätig –  und ein echtes Unikat. So war er zehn Jahre lang von 1994 bis 2004 prägender Coach beim FC Energie Cottbus. Und genau in dieser Zeit trafen wir aufeinander.

Eduard

Es war in der Saison 200/2001, der FC Energie war gerade frisch in die Bundesliga aufgestiegen. Ein Kunde von mir – passenderweise ein Stromanbieter – war Sponsor des Vereins und wünschte sich einen Werbespot für die Videowall im Stadion. Ich schlug vor, einen Clip mit der Mannschaft und Trainer Geyer zu realisieren, damit die Fans mehr Bindung zum Spot und zum damals neuen Unternehmen aufbauen. Der Klub stimmte dem Konzept zu und wir machten alles, was im Vorfeld des Drehs notwendig war: Storyboard schreiben, Drehplan erstellen, Termine abstimmen etc.

Anhand des Drehplans war ersichtlich, dass wir die Spieler den ganzen Nachmittag für die Aufnahmen brauchen würden. Den Zeitablauf wollte das Klub-Management am schwarzen Brett im Kabinentrakt aushängen, damit auch alle Bescheid wüssten. Soweit der Plan.

DURCHDREHEN IN COTTBUS

Ich weiß nicht, ob der Drehplan oder das Storyboard je aufgehängt wurden. Gelesen wurden sie jedenfalls augenscheinlich nicht. Denn als wir mit der Crew auf dem Trainingsgelände eintrafen, kam mir Trainer Geyer nach dem Ende des Vormittagstraining zufällig entgegen. Ich ging auf ihn zu: „Hallo Herr Geyer, wir drehen ja heute einen Werbeclip zusammen… “ Geyer:  „Ah ja? Was denn…?” Ich erzählte ihm also noch einmal den Plot des geplanten Spots. Daraufhin er: „Okay, wie lange dauert das? 15 Minuten…?”

Okay, mir schwante ab dieser Frage nichts Gutes. Und ich sollte Recht behalten. Denn wie ich später erfuhr, wusste die Mannschaft nichts von einem Dreh. Die Spieler dachten, sie hätten nachmittags komplett frei! Und jetzt stellt Euch mal eine Umkleidekabine vor, in der 25 Fußballspieler hocken, die eigentlich vor der Kamera „schauspielern“ sollen, aber alle nach Hause wollten. Genau.

Hinzu kam noch, dass in dem damaligen Cottbusser Team vielleicht fünf Leute die deutsche und/oder englische Sprache beherrschten. Da ich keiner der sonst in der Kabine vertretenen osteuropäischen Sprache mächtig war, gestalteten sich die Regieanweisungen in etwa so schwierig, wie mit dem Ellbogen die eigene Nase zu berühren. Vielleicht wollten sie mich auch nicht verstehen, mag auch sein. :) Geyer muss jedenfalls ein Sprachgenie sein. Anders kann ich mir nicht erklären, wie er das Training dort geleitet hatte.

Und auch als Schauspieler war das heutige Geburtstagskind super! Ede blühte beim Dreh richtig auf, war sehr nett und gar nicht der Grantler, den man aus den Medien-Interviews so kannte. Im Gegenteil: Er hatte offenbar Spaß an seiner Rolle, war zeitweise richtig lustig und hat bis zum Drehende voll mitgezogen. Und ganz nebenbei noch die lustlosen Spieler motiviert. Toll!

DIE ANEKDOTE ZUM SPOT

Leider habe ich den Clip von damals nicht in digitaler Form vorliegen und kann ihn hier nicht zeigen. Auch im Netz ist er nicht zu finden, also kurz erzählt: In dem Spot zeigen wir, wie der Stromanbieter die Cottbusser Mannschaft unter Strom setzt: Eine „verzauberte“ Steckdose sorgt vorm Spiel für aufgeladene Spieler voller Energie.

Dazu noch eine kurze Anekdote: Im Oktober 2000, unser Spot lief seit ein paar Spieltagen auf der Videowall, spielte FC Energie zu Hause gegen den FC Bayern München und gewann sensationell 1:0. Der für das Spiel zuständige TV-Redakteur sah damals den Spot im Stadion und landete schließlich auf meinem Telefon. Er fragte, ob er den Clip für den späteren TV-Beitrag benutzen dürfte. Da hatte nun weder der Kunde noch ich etwas gegen einzuwenden, und so lief unser Werbeclip in SAT.1 ran, die damals die Bundesliga-Berichterstattung gemacht hatten, vor einem Millionenpublikum – for free.

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