Matthias meckert #2 // Film „50 Shades of Grey“

Okay, ja, ich habe ihn tatsächlich auch gesehen. Es ergab sich so am vergangenen Wochenende. Und ich muss wieder mal meckern (Scheint ja ’ne regelmäßige Rubrik hier zu werden.). Vorab: Sollte jemand mit der Idee spielen, sich diesen Film noch im Kino anzusehen – LASST ES! Ehrlich: Das ist in meinen Augen der schlechteste Film ever!

Kurze Anmerkung: Ich habe die Bücher nicht gelesen. Vielleicht funktioniert das eine oder andere Detail im Kopfkino besser, mag sein. Beim Film hatte ich jedenfalls nach exakt zehn Minuten keinen Bock mehr. Die restlichen 115 Minuten (!) habe ich damit verbracht, mich über die unfassbar schlechte Regie und die Schauspieler aufzuregen, denn die sind eine einzige Katastrophe.

Beiden Hauptdarstellern nimmt man ihre Rollen KEINE SEKUNDE lang ab. Der Regisseur Die Regisseurin muss beispielsweise der Frau (gespielt von Dakota Johnson) bei den Dreharbeiten irgendwie sowas gesagt haben, dass sie zu Beginn des Films gaaaaanz extrem schüchtern spielen muss, damit ihre Neugierde später stärker hervorsticht. Was für ein Humbug.

Sie spielt jetzt diese zurückhaltende, nervöse Landpomeranze sooo dermaßen übertrieben, dass es einfach nur nervt. Selbst ein extrem schüchterner Mensch würde in meinen Augen beispielsweise niemals so agieren, wie in der Interview-Szene zu sehen. Sie hätte am Anfang ruhig 30-40 Prozent weniger schüchtern spielen können/sollen. Dafür hätte man meiner Meinung nach viel stärker ihre spätere Neugierde betonen müssen, denn die kommt für mich viel zu wenig raus. Aber was red‘ ich hier? Ich bin ja nur so ein Werbefilmfuzzi.

Und Jamie Dornan, Typ BWL-Student mit McFit-Hintergrund, verkörpert nullkommanull diesen geheimnisvollen Milliardär Christian Grey, den diese harten Sex-Sachen so dermaßen aufgeilen. Nein. Stattdessen möchte man ihn nach einigen derben Sätzen in die Wange kneifen und sagen: „Upps! Da hat der Bub aber bösibösi Sachen gesagt!“ Knuffig. Eine Bekannte meinte vorher, dass der „Chauffeur“ als Hauptdarsteller den Film noch hätte retten können. In der Tat hatte dieser das einzige Charakter-Gesicht in dem ganzen Streifen.

Neben den zahlreichen Rosamunde-Pilcher-esken Dialogszenen zwischen den Hauptdarstellern – wohlgemerkt: In einem Film, der SM-Fetischismus als Aufhänger hat – nervten mich außerdem diese megaplatten Kicher-Witzchen, die man maximal als Teenie vielleicht lustig findet.

Beispiel: Nachdem er gerade ein paar Minuten zuvor ihr gegenüber den Satz gebracht hat „Ich schlafe mit niemanden – ich ficke. Hart.“ und gefühlt 25 weiteren  Andeutungen, stehen beide in seinem Luxusappartement vor einer Tür. Er: „Das ist mein Spielzimmer.“ Sie: „Mit deiner X-Box…?“  (Lacher im Kinosaal von einigen Frauen, die ich nicht kennenlernen möchte.)

Ey, ganz ehrlich: Wie kann man so etwas schreiben?! „Ach, das ist halt ein Frauenfilm“ – das sagen Frauen über diesen Film. Ernsthaft! Sorry Ladies, ich wusste nicht, dass ihr es romantisch findet, wenn man Euch komplett unterbelichtet darstellt.

Nächster Punkt: Dramaturgie. Nachdem der Regisseur die Regisseurin in den ersten 10 bis 15 Minuten offenbar die ersten Eckpunkte des Drehbuchs ratzfatz nacheinander abhaken wollte („Jetzt steht Grey als Überraschung einfach im Baumarkt, in dem sie arbeitet, zwischen den Regalen.“ – „Und jetzt bitte der Fahrradfahrer, der sie direkt in seine Arme stolpern lässt, damit er ihr holterdiepolter seine Gefühle offenbaren kann.“ – usw.), passiert mittendrin irgendwie ewig lang gar nichts. Also wartet man auf die erste Szene im Spielzimmer, die dann so uninspiriert von Regisseur Regisseurin und Schauspielern abgefrühstückt wird, als würde man nebenbei seine Steuererklärung machen. Auch später wieder eine Strecke der Langeweile, dann sind beide Protagonisten plötzlich zwei Mal innerhalb kürzester Zeit im Spielzimmer – aber völlig ohne Spannungsbogen, völlig ohne Erotik. Immerhin wäre die Steuererklärung fertig.

Auf Twitter schrieb jemand:

Mein niedrigster Anspruch an den Film war, dass ich danach Lust auf Sex habe. Fehlanzeige.

Exakt so ist es. Der Film törnt nicht an – sondern sogar ab.

Männer, die ihr mit mir im Kino gelitten habt! Wir wissen alle: Allein die Metal Bikini-Szenen von Prinzessin Leia in Stars Wars 3 hatten damals mehr Erotik als dieser ganze Schinken.

Noch ein kleines Detail, das eventuell nur ich Pingel sehe, aber deutlich macht, wie sehr der Film hingerotzt wurde: In einer Szene steigen die beiden Darsteller auf dem Dach eines Hochhauses in den offenbar unternehmenseigenen Helikopter, zu erkennen am großen GREY-Aufdruck auf der Heli-Tür (Geil, das erinnert mich wieder an das hier.). Man muss noch nicht mal genau hinschauen, um Blasen und Falten im Folienaufdruck zu erkennen. Super schlampig gemacht – einen solchen Aufdruck würde selbst Smileys Pizza-Service auf seinen Smarts erneuern lassen.

Wie wird denn bloß so ein Film abgenickt, frage ich mich?! Irgendwann müssten doch Produzent und Regisseur Regisseurin sich den fertigen Film nochmal zusammen angesehen haben. Spätestens dann hätten sich doch beide angucken müssen und einer hätte sagen müssen: „Ist irgendwie nicht soooo geil, das Ding, oder…?!“ Antwortet dann der andere: „Ist mir egal, wir lassen das jetzt so.“, oder wie?!

Auch die Reaktionen im Kinosaalwaren heftig, nachdem das Licht wieder anging: Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, dass beim Rausgehen so viele Besucher deutlich, teils auch lauthals ihren Unmut äußerten. Sagen wir mal so: Die vereinzelten Männer, die unter Aufgabe ihrer eigenen Identität ihre Freundinnen an diesem Abend begleiteten, werden unter Garantie bei Teil 2 und 3 nicht mehr mit im Kino sitzen.

Aber ich darf ja eigentlich gar nicht meckern – ich wurde nämlich eingeladen. Nächstes Mal zahle ich aber wieder. Und suche den Film aus.