Der Tag, als Ronaldo zur CeBIT kam

ronaldo-Lo-FiHeute, am 16. März, startet wieder die alljährliche Elektronik- und IT Business-Messe CeBIT in Hannover – und ich feier’ gewissermaßen ein kleines Jubiläum: Fast auf den Tag genau vor genau zehn Jahren erlebte ich nämlich meinen persönlich aufregendsten CeBIT-Moment. Deshalb mal ein Blick zurück.

Siemens Mobile (Jetzt fühlt Ihr Euch alt, oder?!) hieß 2005 der Kunde. Die frühere Handysparte des Siemens-Konzerns war damals Hauptsponsor des spanischen Fußball-Rekordmeisters Real Madrid. Zur Erinnerung: Das war zum damaligen Zeitpunkt die Mannschaft der „Galaktischen“ mit Spielern wie David Beckham, Zinedane Zidane, Figo, Michael Owen – und Ronaldo. Mit dem dreimaligen Weltfußballer aus Brasilien hatte Siemens noch einen extra Werbedeal, der dann für die absolute Breaking News sorgte: RONALDO KOMMT NACH HANNOVER AUF DEN SIEMENS MOBILE-STAND! Das Capslock soll hier die direkt ausbrechende kindliche Freude gepaart mit sofortiger Hektik symbolisieren, denn es war schon ein wenig crazy, was uns erwartete.

Es sollte eine möglichst pressewirksame PR-Aktion am Stand werden. Meiner Meinung nach sollte dafür allein die Strahlkraft von Ronaldo schon ausreichen. Deshalb schlug ich vor, einfach sogenannten „Branded Content“ fürs TV zu produzieren, und diesen möglichst weltweit zu streuen. So planten und organisierten wir alles für den geplanten Termin, bis mir auffiel, dass ich das angedachte Interview wohl kaum selbst halten konnte. Meine Spanischkenntnisse beschränken sich auf das Übliche: „Hola!“ und „Una cerveza por favor“. Reicht ja auch eigentlich.

Just in diesem Moment weiser Erkenntnis platzte unser damaliger Praktikant Andreas ins Büro, von dem ich wusste, dass er ein paar Semester in Valencia studiert hatte. Um es abzukürzen: Eine Woche später saß Praktikant Andi dem Weltstar Ronaldo in Hannover gegenüber und plauschte mit „El Fenómeno“, wie es nur Bros machen. Ich werde niemals seinen Gesichtsausdruck vergessen. Also den von Andi. Guter Mann, heute übrigens Redakteur bei n-tv.

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Dazu hatten wir ein kleines mobiles Studio im VIP-Bereich des Siemens Mobile-Stands aufgebaut. Noch vor Ort haben wir an einem mobilen Schnittplatz einen 20-minütigen Rough-Cut des Interviews plus Bildern vom Stand erstellt. Damals übrigens noch mit zwei fetten Beta-Maschinen, nicht wie heutzutage alles digital am Laptop. Klingt so, als würde der Onkel Matthias vom Krieg erzählen… Leider habe ich kaum Fotos von der ganzen Nummer, denn auch das Thema „Fotos per Handy“ ging damals erst ganz zart los.

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Nach dem Schnitt ging es für mich in den extra angemieteten Ü-Wagen (der sah in etwa SO aus), der gleich draußen neben der Messe-Halle geparkt war, um das Band an TV-Sender auf der ganzen Welt zu überspielen. Das war damals schon sehr abgefahren, denn es mussten im Vorfeld vier Satelliten zu einer bestimmten Zeit gebucht werden, um das Material einmal um den ganzen Globus senden zu können. Erdkrümmung ftwk.

400 Sender weltweit (!!!) hatten wir im Vorfeld der CeBIT über den Termin der Satelliten-Übertragung informiert, damit sie das Material mitschneiden können. Und dann jagten wir das Material in den Orbit. Später sollten es knapp 300 Stationen aufgenommen haben. Heute noch: Wahnsinn.

Während der Übertragung klingelte immer wieder mein Handy. Ich kann mich noch erinnern an Anrufe von Sendern aus Singapur, Schottland, Neuseeland, Brasilien – ach, was weiß ich, woher überall – die Hintergrundinformationen wollten oder schlichtweg zu spät auf AUFNAHME gedrückt hatten und gebeten haben, den Anfang noch einmal hintendran abzuspielen. Noch nachts bin ich völlig müde von Hannover nach Hamburg zurückgefahren und hatte zum ersten Mal das Gefühl, etwas „richtig Großes“ gemacht zu haben. Schwer zu beschreiben.

Zehn Jahre her. Immer noch Gänsehaut, wenn ich an diesen Tag denke. Und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich mit Ronaldo arbeite.

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