Everything is scripted

movie slate on a wooden background

Gestern machte DWDL publik, dass das aktuelle SAT.1-Format „Newtopia“ ziemlich offensichtlich ein riesiger Fake ist. Alle großen Medien griffen diesen Bericht auf und in den sozialen Netzwerken entbrannte eine hitzige Diskussion über die Einflussnahme der Produktionsfirma bzw. falsche Versprechungen des Senders/der Produktionsfirma in punkto Sendekonzept.

Auch ich habe online mit diskutiert und mich im beruflichen Bekanntenkreis über diese News unterhalten, möchte jetzt hier aber gar nicht lang und breit meine Meinung aufschreiben. Ein heftiges Kopfschütteln meinserseits über Sender, Produktionsfirma, Producerin und deren Vorgehensweisen sowie ihren peinlichen Erklärungsversuchen soll genügen.

Bemerkenswert war aber im Zuge meiner Diskussionen die Aussage eines geschätzten TV-Kollegen von mir, der vor 15 Jahren bei der Sendung „Inselduell“ (lief damals kurioserweise auch in SAT.1) direkt vor Ort involviert war. Wer sich nicht mehr erinnern kann: Das war eine Survival-Show mit Big Brother-Elementen im Südchinesischen Meer. Mit seiner Zustimmung veröffentliche ich hier seine Erlebnisse von damals:

Wir hatten damals einen Cast von 13 Personen. Die Leute waren die ganze Zeit unter Bewachung, ähnlich wie im Dschungelcamp. Auf den Einsatzsitzungen wurde schon nach einigen Tagen (Die Produktion ging insgesamt über sechs Wochen) darüber geklagt, dass der Cast langweilig sei und sich nicht streitet. Außerdem knistere es erotisch überhaupt nicht.

Daraufhin wurde eine blonde Sexbombe aus Deutschland eingeflogen, die den Laden da mal so richtig aufmischen sollte. Außerdem wurde von der Redaktion beschlossen, den Leuten das Wasser zu rationieren, damit sie übellaunig wurden. Und der Gipfel war dann, dass ein 5 Liter-Krug Rum in das Camp geschafft wurde, damit die sich mal so richtig hemmungslos besaufen und übereinander herfallen. Von den gezielt abgesetzten Intrigen, dass der es besser hat, oder die ein Verhältnis mit dem hat, mal ganz abgesehen.

Also alles nichts Neues. Ich weiß nicht, inwieweit das verwerflich zu nennen ist, wenn die Zuschauer gerade aus diesen Gründen einschalten. Leider wollen die keine „echte“ Doku, wie ein soziales Experiment verläuft – dann wären sie sicher Soziologen geworden – sondern die wollen, dass sich da alles mit allem zofft. Und sie haben sicher alle den Wunsch nach Identifikation. Und auch nach Hass und Macht. Kleines widerliches Volk teilweise. Wir bedienen es „nur“.

Tja. Alles nichts Neues – everything is scripted. Immer dran denken beim Fernsehen gucken, liebe Leute.