Einmal nach Hamburg, bitte. Irgendwie.

Kabine

Neulich war ich ja für einen Dreh für Red Bull Schweiz in Zürich. Die Rückreise gestaltete sich aber zu einer kleinen Katastrophe. Hier meine Erlebnisse verbunden mit ein paar Tipps. Vielleicht helfen die Euch ja, wenn Euch mal etwas Ähnliches passieren sollte.

Samstag, 16. August. 2,5 Drehtage bei bis zu 35 Grad Hitze, ein leckeres und superlustiges Grillen beim Kunden zu Hause, ein Treffen mit einem alten Kommilitonen, den ich nur alle Jubeljahre mal sehe, und ein überraschender „Züri”-Rundgang bei Regen mit dem besten Kumpel aus Hamburg lagen hinter mir. Reichte dann jetzt auch.

Obwohl mein Flieger erst um 20.20 Uhr gehen sollte, war ich schon nachmittags am Zürcher Flughafen, weil ich noch etwas arbeiten wollte. Später beim Check-in informierte man mich direkt, dass die Maschine nach Hamburg MINDESTENS zwei Stunden Verspätung haben wird. Erstmal etwas Mimimi via Twitter loswerden.

Meinen nächsten Gedanken nahm mir Mr. Check-in gleich vorweg: Eventuell würde man aufgrund des Nachtlandeverbots in Hamburg auch nach Lübeck oder Hannover ausweichen müssen. Und wenn’s ganz blöd läuft, hebt die Maschine gar nicht mehr ab. Jetzt erklärte sich für mich auch dieses völlig verzweifelte Gesicht und die theaterreife „Oh Gott, was soll ich jetzt nur machen??“-Gestik (so mit Unterarm auf der Stirn) meines Vor-Eincheckers. Im Gegensatz zu diesem leicht theatralischen Herrn behielt ich kühlen Kopf und leitete die ersten Notfall-Maßnahmen ein.

 

DAS VOUCHER-DINGENS

Beim Check-in erhielt ich aufgrund der Verspätung einen Gutschein für „Essen und Trinken“ (Zitat Mr. Check-in). Wert: 7 Schweizer Franken (CHF). In der Schweiz. Am Flughafen. Darüber musste sogar der Herr Einchecker etwas schmunzeln.

Um die Wertigkeit des Vouchers besser einschätzen zu können, sollte man folgendes wissen:

Kam noch besser. Nach zwei Stunden Warterei wollte ich es mir richtig gutgehen lassen und mein Gutschein-Vermögen auf einem Schlag auf den Kopf hauen. War aber nicht so leicht, denn im Kiosk (0,5 Liter Softgetränk 3,95 CHF, Schokoriegel 2,45 CHF) blitzte ich ab: „Den nehmen wir nicht an. Den können Sie nur in Restaurants einlösen.“ 7 Schweizer Franken (CHF). In der Schweiz. Am Flughafen. In einem Restaurant. Um es abzukürzen: 0,5 Liter Apfelschorle für 5,95 CHF, Rückgeld wurde nicht ausgezahlt. Eines wurde immer deutlicher: Je länger die Wartezeit, desto mehr Hannover.

Und es wurde immer später…

Wie ich in dem Tweet schon schrieb, greifen ab einer Verspätung von drei Stunden besondere Passagierrechte. Laut der EU-Verordnung 261/2004 stehen einem Fluggast bei einem Flug mit einer Distanz von bis zu 1.500 Kilometern (Zürich-Hamburg: ca. 900 km) ab einer 3-stündigen Verspätung 250,- EUR zu – egal, was man für den Flug bezahlt hat. Für Verzögerungen ab drei Stunden von Flügen mit einer Strecke zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern werden für die Fluggesellschaft 400 Euro fällig.

Ausführlich informieren kann man sich u.a. bei FlightRight, die einem auch helfen, seine Forderungen durchzusetzen. Dafür behalten sie sich aber einen gewissen Prozentsatz der Entschädigungssumme ein, glaube ich. Ansonsten steckte ich die Verspätung und die verbundene ewige Warterei wie ein echter Mann weg.

 

YOU GOTTA FIGHT! FOR YOUR FLIGHT!!

Um Punkt 23 Uhr kam plötzlich Bewegung in die Nummer. Es wurde plötzlich zum Boarding aufgerufen und dabei um Schnelligkeit gebeten. Während des Einsteigevorgangs meldete sich der Kapitän via Lautsprecher:

Liebe Fluggäste, um es kurz zu machen: Wir müssen möglichst schnell hier aus Zürich weg, weil wir eine Ausnahmegenehmigung für eine Landung in Hamburg bis 0.15 Uhr haben. Die Flugzeit wurde mit 1:10 Stunde berechnet. Sie können sich also selbst ausrechnen, wie viel Zeit wir für das Boarding haben.

Nämlich ganze fünf Minuten. Das hatte sogar pünktlich geklappt – allerdings sah ich von meinem Fensterplatz, dass das Gepäck noch längst nicht vollständig verladen war. Vor meinem geistigen Auge bildeten die Koffer den Schriftzug H A N N O V E R… Wir starteten. Um 23.15 Uhr.

Über den Wolken, als man spürte, dass wir bereits wieder im Sinkflug waren, meldete sich um Mitternacht der Pilot erneut: Leider wurde die Ausnahmegenehmigung vom Hamburger Flughafen zurückgezogen – vermutlich weil wir zu spät waren. Ärgerlich für alle, denn auch die gesamte Crew war in der Hansestadt stationiert. Hörbar angefressen meinte der Kapitän, „dass externe Dienstleister ihren Job nicht gut gemacht hätten.“ Hm. Die Gepäckverpacker…? Wie auch immer. Es ließ sich nicht mehr ändern.

Ankunft Hannover

 

In Hannover machte ich auch erstmal ein paar Beweisbilder von der Ankunft, vor allem um die Uhrzeiten zu dokumentieren.

Mit dem Bus ging es dann um 1 Uhr weiter Richtung Hamburg. Mir war zu dem Zeitpunkt fast schon alles egal. Umweg über Berlin? Klar, machen wir! Zum Glück schlief ich kurz nach der Abfahrt ein. Als ich wieder wach wurde, passierten wir schon die vertrauten Autobahn-Lichter in Hamburg-Stellingen. Zwei Abfahrten später ging es dann zum Flughafen in Fuhlsbüttel. Um 3 Uhr früh war ich zwar erst im Parkhaus angekommen, fühlte sich aber schon anders an.

Aber damit war die Tour ja immer noch nicht abgehakt. Noch in dieser Nacht bekam ich um kurz vor vier Uhr eine Antwort des Social Media-Teams von Germanwings via Twitter (Respekt!).

Zwei Tage später schickte ich dann eine E-Mail mit allen „Beweisen“ an Germanwings… Bildschirmfoto 2015-08-22 um 07.49.13 …und erhielt bereits am nächsten Tag eine erfreuliche und dazu sehr nett geschriebene Antwort: Bildschirmfoto 2015-08-22 um 07.50.47 Das Geld ist zwar aktuell noch nicht auf dem Konto, aber ich habe noch eine weitere E-Mail bekommen, in der mir die Überweisung der Gesamtsumme (inkl. der Kosten für die 4 Stunden Online-Zugang) bestätigt wurde. Respekt, Germanwings, schnell und gut reagiert. Lindert doch merklich den Ärger nach diesem Trip. :) Thanx! Trotzdem nochmal für alle mein ultimativer Tipp, den man IMMER beherzigen sollte:

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