Matthias meckert #3 // „Star Wars – Episode VII“

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Lange nichts gebloggt. Dabei haben sich so einige Themen in den vergangenen Monaten angesammelt, für die ich aufgrund des Jobs keine Zeit hatte. Also: Es wird wieder Zeit für ein bisschen neuen Lesestoff für Euch.

Denn ich war wieder im Kino – und muss mal wieder meckern. Und das über einen Film, bei dem ich nie, nie, nie gedacht hätte, dass es dort überhaupt etwas zum Meckern gäbe, schließlich kommt er von Disney. Gibt es aber doch. Vielleicht spielt da auch eine gewisse kindliche Enttäuschung mit rein, mag sein.

Es geht nämlich um den neuen Star Wars-Streifen „The Force Awakens“.

Der Film war Pflichtprogramm für mich. Als Neunjähriger hatte ich mit meiner Tante den allerallerersten Star Wars-Film im Kino geguckt. Danach besaß ich nahezu alle dieser Actionfiguren und wünschte mir jedes Jahr zu Weihnachten einen R2-D2. Allerdings nicht als Spielzeug-Modell, sondern einen R2-D2 in echt. Ich würde mich vermutlich heute noch freuen, einen Millenium Falcon oder so’n X-Wing-Fighter geschenkt zu bekommen. Die habe ich früher nie gehabt. Okay, ich schweife ab.

Jetzt saß ich also mit über 40 Lenzen und ohne Tante wieder im Kino und sah der Episode nach quasi die Fortsetzung der Triologie aus meiner Kindheit. Der Film hat aufgrund seiner Länge eine ca. 15-minütige Pause in der Mitte. Von daher unterteile ich ihn auch mal in zwei Hälften und fasse mal meinen Eindruck so zusammen: 1. Hälfte ganz nice, 2. Hälfte ist eigentlich eine Frechheit.

Warum?

Während im ersten Teil noch nette Reminiszenzen an die früheren Filme eingebaut wurden (sehr geil fand ich beispielsweise den abgestürzten Sternenkreuzer), artet der zweite Teil in ein plumpes 1:1-Nacherzählen der ursprünglichen Story aus. Alles, aber wirklich alles war ein Abklatsch der 80er Filme. Klar, Disney wusste, dass sie nicht viel machen müssen: Man tauscht einfach die Charaktere aus, ändert leicht das Setting, ein paar Disney-Standards, ein paar lustige Dialoge und ein paar der alten Helden rein – fertig ist der Blockbuster. Ganz ehrlich: Das war dann doch etwas sehr einfallslos. Sehr!

Beispiele gefällig?

Das Aufsuchen eines kleinen, schrumpeligen, urigen Wesens, das den Helden entscheidend weiterhilft; der Kampf zwischen Vater und Sohn im riesigen Innern des „Todessterns“; das Angreifen des einzigen Schwachpunktes der gegnerischen Kommandozentrale und die Explosion dieser… Kommt einem alles bekannt vor, oder? Eben. Das hatten sich die Drehbuchautoren vermutlich auch gedacht, weshalb sie einige Szenen leicht gerafft haben. Zum Beispiel die, in der die Widerstandskämpfer den mega tricky Angriffsplan auf den Todesplaneten ausbaldowern. Während das in dem Film von 1978 eine längere und stimmungsvolle Sequenz ist, wird sie diesmal recht zeiteffizient abgehandelt. Nämlich in etwa so:

„Hey, wie können wir die ERSTE ORDNUNG bezwingen?“
„Wir haben eigentlich keine Chance. Der Planet ist zehn Mal so groß wie der Todesstern damals…“
„Aber es muss doch eine Möglichkeit geben…?“
“Ja! Es gibt eine schmale Schneise mit einer Öffnung. Wenn man da reinfliegt und genau trifft, explodiert der Planet!“

„Okay, so machen wir das. Let’s go!”

Alles, was man braucht, ist halt ein Plan.

Was ich ja eigentlich gut finde: Dass die Filmemacher wieder viel in realen Kulissen gedreht haben und nicht nur in einer computeranimierten Welt, sprich Greeenscreen. Aber: Irgendwie wirkten diese Kulissen in einigen Einstellungen wie ein pimpfiger Abenteurspielplatz, wo ein paar Kostümierte „Räuber und Gendarm“ spielen – und nicht einen Krieg um Unterdrückung oder Freiheit einer Galaxie kämpfen. Und: Die Landebasis des Widerstands scheint ja jetzt Outdoor im Grünen stationiert zu sein. Im Film wirkte es auf mich dann aber teilweise irgendwie so, als würden sich die unterschiedlichen Locations nicht auf verschiedenen Planeten befinden, sondern quasi gleich nebenan – was sie vermutlich in der Realität auch waren.

Außerdem halte ich den Sohn von Han Solo für eine absolute Fehlbesetzung. Entschuldigung bitte, aber DAS soll der Nachfolger von Darth Vader sein?! Sorry, nein. Wobei er schon ein typischer Disney-Charakter ist, aber in meinen Augen eben eher als unsympathischer High School-Schüler, der den Hauptcharakter – so’n niedlichen kleinen Jungen mit Hund – ständig disst und später eben ‘was auf die Mütze bekommt. Aber bitte nicht als Anführer der dunklen Seite der Macht.

Jedenfalls: Sobald er diese Maske abnimmt, sieht er nullkommanull bösartig aus. Gibt einem doch zu denken, dass er in dieser „Undercover Boss“-Parodie von „Saturday Night Live“ als Radartechniker wesentlich passender wirkt, oder nicht?

Überhaupt: Warum trägt er denn die Maske, wenn er sie einfach abnehmen kann? Aus rein optischen Gründen? Als Schutz oder aus Coolness? Wird das irgendwann erklärt, habe ich nicht aufgepasst? Diese ganze Spannung, die einen Darth Vader über drei Filme umgeben hat, ist jedenfalls bei „Keylo Ren“ nach einer Stunde verpufft. Überhaupt: Die ganze Trilogie über hat man bis zu diesem geradezu epischen Moment gefiebert, an dem Vader endlich die Maske abnimmt. Jetzt, in Episode VII – mitten im Film – lief das in etwa so:

Reyes: „Hey, nimm doch mal die Maske ab!“

Keylo Ren: „Hm. Na gut, okay.“ [nimmt die Maske ab]

Und dann eben nur noch ungläubiges Lachen wegen des Bubi-Gesichts.

Prinzessin Leia haben sie übrigens meiner Meinung nach nur ins Drehbuch reingeschrieben, damit alle alten Helden irgendwie auftauchen und sich niemand von der alten Garde auf den Schlips getreten fühlt. Etwas Nostalgie für die Star Wars-Fans der ersten Stunde. Ihre Rolle ist super belanglos, sie schien auch nicht wirklich Lust gehabt zu haben und wirkt einfach nur langweilig.

Und zu guter Letzt: Die finale Szene mit Luke war doch kein schönes Endbild für so einen Film! Erst kraxelt das Mädel die Stufen auf dieser grünen Insel hoch (Wie gesagt: Ich bin mir sicher, dass die Basis-Station der Widerstandskämpfer nicht weit weg war…), ohne überhaupt nach ihm zu suchen und dann fliegen die Filmemacher mit einer Drohne so lieblos ein bisschen über den Felsen – das wirkte doch alles etwas schnell zu Ende gebracht.

FAZIT: Die Star Wars-Story ist mit den drei Ursprungsfilmen erzählt. Alles, was noch davor gesetzt wurde, war großer CGI-Mist. Alles, was jetzt kommt, ist offenbar nur eine Variante der alten Story, aber keine wirkliche Weiterentwicklung. Ich werde mir jedenfalls die „Episode VIII“ nicht im Kino ansehen. Kindheitserinnerungen hin oder her.

Würde mich über Eure Meinung zum Film hier freuen.

6 Comments

  • enrico sagt:

    Puh, also ich weiß kaum wo ich anfangen soll, daher vielleicht meine Erwartungen bzw meine Herangehensweise an Star Wars 7 vorab: ich war nämlich sehr damit beschäftigt meine Erwartungshaltung gen 0 zu fahren, eine echte Aufgabe aber es scheint mir gelungen zu sein. Dann habe ich mir vorgenommen den Film nicht technisch zu betrachten sondern mich einfach unterhalten zu lassen, daher sind mir einzelne Fehler tatsächlich erst in den Kritiken dazu aufgefallen.

    In 2 Dingen gebe ich Dir völlig recht: die Vater-Sohn Story und der in Gigantismus verfallene Todesstern als Planet inklusive dessen Zerstörung empfand ich auch als etwas plump. Die eigentliche Story, also die Suche nach Luke, fand ich hingegen ganz spannend. Ebenfalls die Einführung der neuen Characktere wie Rey oder (bis er seine Maske abnimmt) Kylo Ren.

    Insgesamt bin ich etwas unentschlossen was die Bewertung angeht und warte dazu noch Episode 8 ab, dort hat Disney dann die Chance mich entweder zu fesseln oder sie verlieren mich als Star Wars Fan und ich beschränke mich auf die ersten 3 Filme.

  • loda sagt:

    agree i do. während des sehens, war ich weitaus weniger analytisch bei der sache. das ganze wirkte auf mich durchaus unterhaltsam. fazit in der abspannphase: ganz gut. die vater-sohn-nummer und die reloadete todessternvernichtung mussten allerdings sofort sauer aufstoßen. diese zentralen elemente so platt abzukupfern legt einen anderen titel nah, aber clone wars war ja schon vergeben.

    bei kylo ren denke ich ja an kalorien. eher unpassen. schließlich ist er höchstens ne light-version von darth vader. sein mangel an charisma ist auch dem ganzen film zu eigen. er hinterlässt einfach nichts bleibendes, außer dem staunen über das plumpe abkupfern. ein bisschen wie ein mcD-burger. mit genug technischem know how kriegen sie es hin, dass er passabel schmeckt, aber ne stunde später hat man wieder hunger. so schnell die story erzählt ist, hätte ich vielleicht doch meine liebe not, sie zu resümieren.

    tl;dr: popcorn

  • loda sagt:

    wie geil ist bitte die undercover boss nummer?

  • Matthias sagt:

    Danke für diesen wieder mal hinreißenden Kommentar, Loda. :)

  • Tobias sagt:

    In vielen Punkten gebe ich Dir Recht. Gehe sogar noch weiter. Neben der Todesstern-Miserie und dem wohl vorhersehbarsten Tod der Filmgeschichte, erschreckt mich sehr, dass Kylo Ren (richtig, komplette Fehlbesetzung) – der immerhin seit geschätzt 15 Jahren in der Macht unterrichtet wurde (erst von Luke, dann von Gollum, äh Snoze) – erst Mühe hat im Lichtschwert Kamp gegen den Sturmtruppen-Klempner zu bestehen und dann noch gegen Novizin Reyes (falls Episode 8 da nicht noch eine durchaus erwartbare Wendung einbaut) verliert. Und zwar seine Hand…ach nee, Überraschung.

    Aber: Du hattest keine Zeit für eine frühere Kritik. Kann ich verstehen. Aber irgendwann ist der Punkt gekommen, wo man sich die eigentlich auch schenken kann, weil wirklich alles schon zig mal im Netz auf verschiedensten Seiten gepostet wurde. Sowohl deine angeprankgerten Punkte als auch Meine ;).

  • Matthias sagt:

    Sehr geil, Tobias! Auf den Gedanken mit dem Lichtschwert-Motoriker Keylo Ren bin ich gar nicht gekommen! :)

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