10 Gründe, warum ich Facebook bye-bye sage

dont like

UPDATE: Dieser Artikel wurde geschrieben und veröffentlicht, kurz bevor die Cambridge-Analytica-Story aufploppte, weshalb dieser Aspekt hier nicht erwähnt wird. Allein die ganzen Informationen, die durch die Berichterstattung bekannt wurden, müssten eigentlich bei jedem als Reflex die sofortige Löschung des Facebook-Accounts auslösen. Der Versuch von Facebook, das Vertrauen der User noch irgendwie zu retten, passt ergänzend zu meinem Punkt Nr. 10. Warum löschen wir uns nicht, obwohl der Laden von einer Krise in die nächste trudelt…?

Irgendwann ist halt mal Schluss. Schon länger ist meine Beziehung zu Facebook abgekühlt. Fand ich das Social Network vor ein paar Jahren noch lustig und durchaus nützlich, habe ich es zuletzt nur noch so gezwungen genutzt, weil man eben nicht richtig an dem Ding vorbei kam. Zu tief ist Facebook in unser aller Alltag integriert. Viel zu tief.

Aber mit dem Jahreswechsel habe ich mich entschlossen, den Cut zu machen, die App vom iPhone zu löschen und Facebook aus meiner privaten und geschäftlichen Kommunikation zu verbannen. Privat nutze ich Facebook schon längere Zeit nicht mehr. Ich war ohnehin noch nie unter meinem richtigen Namen dort angemeldet, aber seit ca. drei Jahren schreibe ich auch nichts mehr auf meinem privaten Account, ich like und ich teile nichts.

In einer schlaflosen Nacht hatte ich damals kurzerhand ALLE Beiträge, ALLE Fotos, ALLE Kommentare und sonstige Aktivitäten von mir gelöscht. Das war eine ziemliche Frickelarbeit, die einem auch deutlich macht, WAS man alles im Laufe der Jahre mal auf Facebook geteilt hat. Mein Profil ist seitdem leer. Komplett leer. Und es fühlt sich verdammt gut an.

Der „geschäftliche“ byKuchel-Account bleibt bestehen. Schon allein, damit kein anderer unter meinem Namen Schindluder betreiben kann. Gepostet wird auf der Seite seit diesem Jahr allerdings nichts mehr. Dieser Artikel wird der letzte sein, den ich dort verlinke. Vermutlich werde ich auch die meisten Postings der vergangenen Jahre löschen. Mal sehen.

Facebook ist für mich mittlerweile sowohl als Social Network als auch als Unternehmen völlig untragbar geworden. Dafür gibt es einige Gründe. Here we go.

1. DESIGN

Facebook Design Ganz ehrlich: Findet Ihr DAS noch übersichtlich? Ich nicht. Ich finde das Design nicht nur nutzerunfreundlich, sondern schlichtweg grottenhässlich. Zu viele Menüpunkte, zu viele Werbeanzeigen – einfach too much. Von allem. Auf dem Mobiltelefon muss man in der App bei Profilen erst gefühlte Ewigkeiten nach unten scrollen, um mal tatsächlich Inhalte zu lesen. Facebook war noch nie eine Design-Granate, aber früher war die Plattform wenigstens nicht ganz so vollgeballert mit irgendwelchen Features, die die meisten Leute eh nicht nutzen.

2. ÜBERFLÜSSIGE FUNKTIONEN

Damit sind wir direkt beim zweiten Punkt. Wer sich noch an das Facebook vor ca. 8 Jahren erinnert, kennt vermutlich auch noch die heute geradezu rudimentären Funktionen früherer Tage: Vernetzen mit Freunden, kleine Status-Nachrichten, Fotos und Links teilen sowie Veranstaltungen erstellen – that’s all. Heutzutage will Facebook alles sein: Browser, Newsfeed, Tagebuch, Stories, Fotogalerie, Termin-Kalender, usw. Aber: Wer nutzt denn das alles? Wer hat denn tatsächlich x unterschiedliche Gruppen angelegt, um Inhalte nur mit einer speziellen Zielgruppe zu teilen? Ich kenne ehrlich gesagt niemanden. Die meisten nutzen in meinen Augen – genau: Die Basic-Funktionen, die es früher schon gab. Und nicht diese ganzen zusätzlichen Features.

3. DIE SACHE MIT DEM ALGORITHMUS

Ich glaube, es haben sich in der letzten Zeit noch nie so viele Menschen, die keine Mathematiker sind, mit Algorithmen beschäftigt. Und zwar weil Facebook immer wieder seinen Algorithmus umstellt. Was für ein großes Thema! Zuletzt gab es diese Meldung Anfang 2018. Tatsache ist: Die organische Reichweite sinkt. Auch meine Postings im vergangenen Jahr haben nur noch einen Bruchteil früherer Interaktionen erzielt. Das spielt bei mir jetzt nicht so die Rolle, weil ich meine Jobs nicht durch Facebook generiere, wie es bspw. einige Models oder Fotografen durchaus erfolgreich tun. Es war für mich immer nur ein bisschen Eigen-PR – und Spaß. Aber genau der ist eben verloren gegangen.

Klar, sie wollen Geld verdienen. Wer Aufmerksamkeit möchte, soll dafür bezahlen. Das ist ja mit Werbespots im TV oder Anzeigen in Magazinen und Zeitungen nichts Anderes. Ich sehe mein Marketing-Feld allerdings nicht auf Facebook. Für mich war es der simple Austausch mit Leuten, die sich für meine Arbeit interessieren. Der kann so nicht mehr stattfinden, deshalb macht der zeitliche Aufwand für mich keinen Sinn mehr. Und Geld möchte ich diesem Laden nicht zahlen. Gründe dafür weiter unten.

4. FACEBOOK-UNLUST

Ich weiß ja nicht, wie es in Eurer Timeline so aussieht, aber meine „Freunde“ posten auch nicht mehr wirklich was Spannendes, Lustiges oder Interessantes. Früher wurde einfach mal so ein lustiger Spruch rausgehauen, der dann einige amüsante Kommentare nach sich zog. Es war irgendwie ungezwungener, unterhaltsamer und hatte noch nicht diesen Touch der Selbstdarstellung, wie es heute der Fall ist. Es sind vielleicht alle etwas müde geworden. Einiges „schickt“ sich möglicherweise nicht mehr zu posten. Ich habe das Gefühl, dass man eben mittlerweile auch doch wieder vieles privat lässt, was ich persönlich absolut begrüße! Aber damit hat Facebook eben auch seine Kern-DNA verloren – und kann dann eigentlich auch weg aus meinem und unserem Leben.

5. POLITISCHE RELEVANZ

Mal ein ganz naiver Gedanke: Facebook wurde ursprünglich mal entwickelt, um Freude zu bereiten. Das kann man doch so sagen, oder? Freunde vernetzen und Kontakte pflegen – das waren die ganz nackten Benefits von Facebook in den Anfangstagen. Ist es dann nicht völlig schräg und macht es Euch nicht auch Angst, was Facebook in gerade mal zehn Jahren für eine politische Relevanz (oder auch: Macht?) errungen hat? Stichworte: Trump-Wahl, AfD-Postings, politische Facebook-Gruppen usw. Das kann doch niemals von Anfang an der Plan gewesen sein (hoffe ich zumindest)… Das ursprüngliche Freunde-Netzwerk ist in meinen Augen zu einer Propaganda-Plattform verkommen. Und Facebook unternimmt noch nicht mal was dagegen.

6. MERKWÜRDIGE REGELN

Es ist ja schon lange kein bloßes Gefühl mehr, dass Facebook seine eigenen Regeln sehr eigenwillig interpretiert – es ist Fakt. Fotos, auf denen nur ansatzweise ein Nippel zu erkennen ist, werden aufgrund der Richtlinien umgehend gelöscht. Übelste Hass-Kommentare, offensichtliche Nazi-FB-Gruppen oder -Profile sind aber scheinbar voll okay und bleiben online. Obwohl Facebook laut eigener Angabe ein Team ausgebildeter Mitarbeiter beschäftigt, die sich darum kümmern. Das kann man entweder undurchsichtig oder überfordert nennen. Beides nicht gut. In diesem Zusammenhang sei auch noch mal an die Pressekonferenz mit Smudo von den „Fantastischen Vier“ erinnert, bei der sich die Facebook-Sprecherin wirklich unsouverän präsentiert hat. (Das Video von der PK wurde offenbar leider vom Netz genommen. Ich finde es jedenfalls nirgendwo mehr.) +++ ERGÄNZUNG 19. MÄRZ 2018 +++ Zu dieser Thematik ist auch dieser Artikel von Sueddeutsche.de aus dem Dezember 2016 sehr interessant!

7. MERKWÜRDIGE LEUTE

Es ist natürlich schon alles ein bisschen strange: Auf Instagram ist alles „great“, „awesome“ und „toll“. Man wird gefühlt für jeden blöden Schnappschuss abgefeiert (von den Bots). Klar, das ist auch nicht die reale Welt. Aber verglichen mit Facebook herrscht auf Instagram (noch!) ein netterer Umgangston. Auf Facebook dauert es nämlich selbst bei einer simplen harmlosen Frage in einer Gruppe oft keine drei Kommentare bis ein Nutzer mit einem völlig deplatzierten Kommentar um die Ecke kommt, auf dem sich dann eine mittlere bis heftige Diskussion aufbaut. So lese ich das zum Beispiel häufiger in Foto-Gruppen oder auch in der Gruppe meines Wohnortes. Übrigens: Was sind das eigentlich für Leute, die unter ihrem Klarnamen und Angabe ihres Arbeitgebers öffentlich völligen Mist posten? Jedenfalls keine, mit denen ich auf dieser Plattform kommunizieren möchte.

8. GESELLSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN

„Facebook untergräbt die Produktivität in komischer Weise. Nur Gott weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet. “ Das sagte im November 2017 Sean Parker, früher erster Präsident des Social Networks. Nur einen Monat später legte ein weiterer ehemaliger Facebook Top-Manager nach. Bei einer Podiumsdiskussion an der US-Elite-Universität Stanford erklärte Chamath Palihapitiya, er „fühle sich unendlich schuldig“ am Aufbau der Plattform. Palihapitiya war von 2007 an zuständig für das Mitgliederwachstum bei Facebook. Heute bereut er seine Arbeit: „Wir haben Tools entwickelt, die die Strukturen auseinanderreißen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten.“ Chamath Palihapitiya kritisiert dabei allerdings Social Media generell. Facebook und andere Netzwerke würden durch die LIKE-Kultur das menschliche Verlangen nach Feedback und Bestätigung ausbeuten. Die Nutzer würden sich ein künstliches Leben erschaffen und diese vermeintlich positiven Signale mit wahren Werten verwechseln. Eine Schein-Beliebtheit, die einen im Endeffekt noch leerer zurücklässt. „Denn wenn du ehrlich bist, fragst du dich sofort: Was muss ich als nächstes tun, um noch mehr Bestätigung zu bekommen?“ Später wiederholte er seine Aussagen auch beim Nachrichtensender CNBC. Durch die Pseudo-Interaktion auf die geposteten Inhalte finde kein ziviler Diskurs und keine Kooperation mehr statt; stattdessen dominierten Fehlinformationen und Unwahrheiten. Wenn man das weiterdenkt, könnte ein Mensch mit bösen Absichten große Gruppen von Leuten so manipulieren, dass sie tun, was immer er möchte. In meinen Augen passiert das schon in Teilen. „Ihr werdet alle programmiert“, warnt der Manager. Aber er hat auch noch einen simplen persönlicher Tipp parat: „Nutzt den Scheiß nicht.“

9. TWITTER

Ich habe mittlerweile über 1.000 Follower auf Twitter. Das ist – verglichen mit anderen Accounts – nicht viel, aber eben mehr als doppelt so viele Leser wie auf Facebook. Noch vor 1-2 Jahren hatten meine Blog-Beiträge immer noch den meisten Boost durch die Verlinkung auf Facebook, aber das hat sich gedreht. Über Twitter haben sich sogar auch schon direkt oder indirekt Aufträge für mich ergeben. Das kann ich von Facebook nicht behaupten.

Darüber hinaus habe auch schon so einige Twitter-Follower im „Real Life“ kennengelernt. ALLES supernette Treffen, aus denen sich auch schon die eine oder andere Freundschaft entwickelt hat. Alles in allem macht mir Twitter also einfach mehr Spaß als Facebook.

10. SELBSTDARSTELLUNG

Eigentlich muss man sich ja nur die aktuelle Werbekampagne von Facebook anschauen. Ich meine diese hier (Beispiel: TV-Spot aus 2017. Ich glaube, aktuell gibt es neuere Anzeigen.): Ganz ehrlich, Freunde: Wenn eine ganze Kampagne (!) darauf aufbaut, die zahlreiche Kritik gegenüber dem eigenen Serviceangebot zu thematisieren und mittlerweile über 1,5 Jahre versucht, die Kritikpunkte gerade zu biegen…

…dann kann der Laden nicht so dolle sein.

Bye-bye, Facebook!