Goodbye, Buddy…

Es tut weh. Aber irgendwann musste es so kommen. Nach elf Jahren trennen sich nun unsere Wege. Wir hatten eine wilde Zeit zusammen. Traurige, aufregende und schöne Momente erlebt. Viele wunderbare Erinnerungen. Ja, wir hatten eine gute Zeit zusammen.

Vorbei. Es tut weh.

Ja, das klingt jetzt alles sehr, sehr sentimental. Vermutlich zu sentimental – denn es geht ja nur um: Ein Auto. Aber eben nicht um irgendeins. Sondern mein Traumauto, meinen BMW. Genauer gesagt: Mein Traumcabrio. Und um alles, was mich damit verbindet.

In den Jahren, in denen ich mein Leben beruflich und privat komplett auf links gedreht habe, war dieses Auto eine der ganz wenigen Konstanten. Ein Rückzugsort, wo es nicht um Sorgen, Unstimmigkeiten, Zahlen und Neuanfang ging – sondern nur um Spaß. Fahrspaß. Dach auf und los. Die Sonnenstrahlen während der Fahrt mitten im Gesicht. Das Windschott extra runtergeklappt, um den Fahrtwind noch stärker zu spüren, die mit „Cabrio Mucke“ beschriftete und entsprechend zusammengestellte CD eingeschoben und laut aufgedreht. So fühlte sich das immer genau richtig an. Im Stau wurde mein Auto zur Sonnenbank, in heftigen Nächten, in denen man den Weg nach Hause nicht mehr gefunden hat, zum Schlafzimmer.

Man muss schon mächtig einen an der Marmel haben, wenn man in Deutschland ein Cabrio kauft. In Norddeutschland wohlgemerkt. Oder man verknallt sich halt einfach auf den ersten Blick.

Schon als 16-jähriger hab‘ ich mich verschossen. Mitte, Ende der 80er tauchte das BMW Cabrio in diversen Werbespots und Fernsehserien auf, meistens in knallrot, ich weiß es noch genau. Schon damals habe ich es zum schönsten Auto gekürt, das ich je gesehen habe. Seit diesen Teenagertagen wollte ich irgendwann mal so eins fahren. Genau. So. Eins.

Rund 20 Jahre später konnte ich mir diesen Jugend-Traum erfüllen.

Anfang 2008 war ich auf der Suche nach einem neuen Auto. Zu dem Zeitpunkt gar nicht zwingend fixiert auf einen BMW, entdeckte ich ihn zufällig bei einem Händler – und war geflasht. Schwarz, Leder, Erstzulassung im Juni 2006 (also ein WM-Sommermärchen-Auto!), tolle Extras für damalige Verhältnisse. Sportlich, schick und edel. Und noch fast jungfräulich. Noch nicht mal 4.000 Kilometer standen auf dem Tacho. Über 230.000 sind seitdem dazu gekommen. Immer zuverlässig, immer sicher. Er hat mich nie hängenlassen.

Ärger haben mir immer nur andere bereitet. Drei Unfälle hatte ich mit meinem Traumauto. Alle drei(!) wurden – kein Witz – jeweils verursacht durch junge Mädels, die alle durch Gequassel mit der Beifahrer-Freundin zu sehr abgelenkt waren – und mir hinten draufgerauscht sind. Zwei Mal konnte ich an der Ampel stehend im Rückspiegel das Unglück live kommen sehen. Eine vierte Macke hatte der Schwarze mal abbekommen, als offenbar ein Autofahrer beim Ausparken oder Wenden einfach in den Kotflügel meines in der Parklücke geparkten Cabrios reingecrasht ist – und dann auch noch Fahrerflucht begangen hat. Ich wünsche diesem feigen mega Ar… heute noch XYZ und ewig schlechten Sex.

Zuletzt kamen dann noch ein paar negative Erlebnisse mit BMW-Werkstätten hinzu, die mich mehr und mehr (ver-)zweifeln ließen. Die zuletzt lebensnotwendige Operation am Herz Motor, machte keinen Sinn mehr. Nach elf Jahren großer Liebe war ich wieder auf der Suche. Das Auto liebe ich zwar immer noch, die Marke nicht mehr.

Vergangene Woche habe ich mich von meinem alten Weggefährten verabschiedet, heute habe ich mein neues Auto abgeholt. Ein tolles Auto, wirklich! Nigelnagelneu! Und doch fühlt es sich noch etwas falsch an. Ich bin gespannt, ob es wieder so eine Herzenssache wird. Vermutlich nein. Denn dafür waren es zu wilde, zu emotionale Jahre. Und es war eben das Traumcabrio vom 16-jährigen Mini-Mats – und das wird es immer bleiben.

Also „Goodbye, Buddy“, vielen Dank für die gemeinsame Fahrt.

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