Heinz

Heinz ist Fotograf. Ein ziemlich guter übrigens. Und dieser Blogpost gehört quasi ihm. Der Grund: Heinz ist diese Woche 60 geworden. Das ist ja wohl mal ein paar Zeilen wert. Ich mein‘: 60! Heinz kann keine 60 Jahre alt sein. Denn Heinz ist – wie man in seiner Heimatstadt Köln sagt – „Jut drupp!“ Er ist nicht nur ein Geschäftspartner, sondern einer der langjährigsten und auch wichtigsten beruflichen Weggefährten von mir. Und, darüber freue ich mich am meisten, auch ein Freund, mit dem ich einige der besten Geschichten meines Lebens verbinde.

Kennengelernt haben wir uns vor exakt 20 Jahren. 1999, als Handys noch ziemlich neu waren und das Telefonieren in der Öffentlichkeit geradezu verpönt war, hatte ich gerade meinen ersten richtigen Job in einer PR-Agentur in Köln ergattert. Ich war also Berufsanfänger, völlig grün hinter den Ohren und wuselte mich gerade so rein in diese PR-Welt. Es muss im April gewesen sein, als ein Porträt-Fotoshooting der Geschäftsführung für einen von mir betreuten Kunden geplant war. Ein paar Tage vorher hatte sich ein neuer Fotograf bei einer Kollegin mit seiner Mappe vorgestellt. Sie empfahl mir, den Kerl mal anzurufen. Es war Heinz. Heinz Augé, mit französischem „Accent“ und auch so ausgesprochen, also: Ohschee. Allein diese Kombi zwischen deutschem Spießbürger- und französischem Künstlernamen fand ich schon zu lustig.

Ein paar Tage später trafen wir uns zum ersten Mal in Düsseldorf, direkt vorm Eingang des Firmengebäudes. Noch heute erzählt Heinz gern überall, wie er mich damals wahrgenommen hat: Unausgeschlafen, verquollene Augen, wuschelige Haare, null Bock, aber immerhin im leicht zerknitterten Anzug. Ich behaupte nach wie vor, dass das SO alles nicht stimmt – würde es allerdings auch nicht unterschreiben.

Gut, mag sein, dass ich damals noch sehr jung war und generell noch nicht viel Erfahrung hatte, aber: Wie professionell und konzentriert er seinen Job anging, was er für Bildideen hatte und vor allem wie er mit den Leuten vor der Kamera agierte… Heinz beeindruckte mich mächtig. Und das alles mit einer total netten, sympathischen Art. Also, na ja, damit meine ich dieses professionelle Nett-Sein mir gegenüber, obwohl er genau gecheckt hatte, dass ich ein absolutes Greenhorn bin und null Plan von der Materie habe. Ich mochte irgendwie diese mega subtilen Spitzen, immer leicht von oben herab (obwohl er ein ganzes Stück kleiner ist als ich!), aber so geschickt mit einem netten Lächeln verpackt, dass man sie – fast – nicht merkt.

Nach nur einem Jahr in dem Laden machte ich mich mit einer eigenen Agentur selbständig (das war in Anbetracht meiner erwähnten „Greenhornigkeit“ eigentlich ziemlich bescheuert, aber hey: YOLO!) und irgendwann stand auch dort eine Fotoproduktion an. Ich rief also Heinz an, weil ich ja keinen anderen Fotografen außer ihn kannte er mich mit seiner Professionalität absolut überzeugt hatte und fragte, ob er sich noch an den Vogel von dem Porträtshooting erinnerte. Tat er hundertprozentig nicht, geantwortet hat er aber glücklicherweise das Gegenteil.

And so it began. Heinz wurde der Haus- und Hof-Fotograf unserer kleinen Agentur. Wir shooteten für mittelständische Unternehmen ebenso wie für internationale Konzerne. Ich kreierte in der Regel die Bildideen, Heinz setzte sie oft noch besser um, als ich sie erdacht hatte (oder das geringe Budget hergab). Unser kreatives Zusammenspiel und der Spaß bei der gemeinsamen Arbeit machte jede Foto-Produktion zu einem Highlight für mich.

Wir reisten quer durch Europa zusammen, machten Fotos von Ronaldo in Madrid, von Profi-Mountainbikern in Schottland, schossen Handys in den Alpen und einen Skifahrer im Theater, fotografierten Autofelgen auf Lanzarote und shooteten Tankwagen in der Mega-Media-Metropole Quickborn.

Jede dieser Produktionen wäre mit den damit verknüpften Anekdoten einen eigenen Blogpost wert. Allein die Stories auf Lanzarote, als die Felgen beispielsweise zunächst partout nicht geliefert wurden und eine Marketingleiterin mit akutem Bandscheibenvorfall später mithalf, die schweren Dinger durch die Gegend zu tragen, um Zeit aufzuholen, weil es dem (männlichen!) Make-up-Artist zu anstrengend war.

Wie wir mal komplett ohne Models in die Alpen zum Skilaufen gefahren sind, um eine Telekom-Broschüre zu shooten und auf den Bergen dann diverse wildfremde Freizeit-Skiläufer mit dem Model-Honorar von „ein, zwei Caipis“ gewinnen konnten, für unsere benötigten Fotos zu posieren. Oder als Heinz seine 25.000 Euro-Foto-Ausrüstung in Madrid mal eben im Taxi liegen gelassen hat (sie aber später nach unzähligen Telefonaten tatsächlich wieder bekam)… Ach, ich könnte das ganze Internet voll schreiben mit Stories, die ich mit Heinz erlebt habe. Es sind zu viele geworden in all den Jahren.

Neben diesen ganzen Erlebnisse entdeckte ich mit der Zeit, dass Heinz nicht nur mit der Fotokamera fantastisch umgehen konnte. Wir duellierten uns auch hin und wieder auf dem Tennisplatz, und ich konnte als früherer Tennistrainer bei seiner blitzsauberen Technik nur mit der Zunge schnalzen. Dann zog er mich mal im Billard so dermaßen ab und erwähnte anschließend nur in einem kurzen Nebensatz, dass er früher mal irgendein Billard-Jugendmeister oder sowas Ähnliches war.

Und wir teilen auch eine musikalische Leidenschaft: Das Gitarre spielen. Rockmusik. Mit dem Unterschied, dass er auch das meilenweit besser beherrscht als ich. Die Auftritte seiner Band im Kölner Karneval sind für mich immer ein absolutes „Must See“ (auch wenn ich es nicht jedes Jahr in die Domstadt schaffe).

Egal, wie selten wir uns im Jahr sehen, fühlt es sich für mich bei jedem Treffen so an, als wäre die letzte gemeinsame Produktion erst vorige Woche gewesen. Wenn man so lange und so eng zusammenarbeitet, so viel Zeit auf Reisen und mit dem Warten auf das richtige Licht verbringt, erfährt man in 20 Jahren viel voneinander. Die guten und die nicht so guten Sachen. Das verbindet. Und das bleibt. Genauso wie der Respekt, den ich vor Heinz habe – für das, was er macht, was er kann und was er ist.

Danke für 20 Jahre Zusammenarbeit und Freundschaft, Heinz Augé. Ich hoffe auf viele weitere und wünsche Dir alles, alles Gute für das neue Lebensjahr.

 

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