Die Mayrhofen-Casting-Akte

Wenn Ihr diesen Blogpost lest, wedel ich (hoffentlich) gerade auf Skiern die Pisten von Mayrhofen hinunter. Fast genau vor einem Jahr war ich zum ersten Mal in diesem Skiort – und ich war wirklich positiv überrascht. Nettes Zentrum, sehr schöne Pisten, urige Hütten. Hat scheinbar so viel Spaß gemacht, dass ich nun zum zweiten Mal hier den Skiurlaub verbringe. Eigentlich wollte ich einen ausführlicheren Blogpost über Mayrhofen schreiben, um zumindest den Ski-Fahrern unter Euch ein paar Reise-Tipps zu geben.

Das lasse ich jetzt aber. (*Falls doch jemand daran Interesse hat, sagt bitte Bescheid. Dann schreibe ich noch einen kleinen Reiseführer.) Mir fiel nämlich gestern eine kleine, lustige Story ein, die es definitiv wert ist, zu erzählen – und im vergangenen Jahr in Mayrhofen quasi ihren Anfang hatte.

Kurze Vorgeschichte: Wir waren im Februar/März 2019 gerade mitten in der Planung für eine „How To“-Erklärvideo-Serie für SEAT. Zunächst war der Gedanke, dass die Serie in Deutsch und Englisch produziert wird. Dementsprechend suchten wir einen zweisprachigen Moderator. Auf einen Tweet von mir meldete sich unter anderem ein Tim via Twitter bei mir. Ich schaute mir seine Seite an. Ja, sah gut aus. Okay. Wir verknüpften uns. Und: „Ich melde mich.“ Was man halt so unverbindlich schreibt.

Parallel wurde allerdings auch eine Casting-Agentur beauftragt und der Plan, die ganze Serie zweisprachig zu produzieren, wurde zwischenzeitlich verworfen. Ich bekam eine ganze Reihe an Moderatoren-Vorschlägen zugesandt, sichtete E-Casting-Videos von allen Kandidaten, traf eine Vorauswahl von circa 7-8 Leuten, die wir dann zu einem persönlichen Vorsprechen einluden.

Das Vorsprechen war mehr als ernüchternd. Mein Favorit entpuppte sich als ein wahnsinnig komplizierter Charakter. Die anderen waren entweder nicht gut genug oder transportierten das gewünschte SEAT-Image nicht richtig. Es kam beim besten Willen keiner der Kandidaten in Frage. Nun, die Skireise ging los, der Produktionstermin rückte immer näher  – und wir hatten noch keinen Presenter. Da ich aber in der Ski-Woche auch noch die Drehbücher für die ersten fünf Filme schreiben musste, hatte ich genug zu tun und erstmal keinen Kopf für das Casting. Soweit die Vorgeschichte.

SNOWBOARDER-ANTIPATHIE

Szenenwechsel. Wer mich als Skifahrer kennt, der weiß, dass ich konkrete Hass-Objekte auf den Skipisten quasi überall auf der Welt habe: Snowboarder. Und auch in dem damaligen Urlaub erlebte ich wieder so einige negative Situationen mit diesen Idio Vollhon Schwachkö Arschl ignoranten Mitten-auf-der-Piste-Abhängern, so dass ich mal kurz ein klein bisschen Wut – also ein Wütchen sozusagen – rauslassen musste.

Ich tat es mit einem Tweet. Und bekam nur sehr kurze Zeit später eine empörte „Reply“ – von: Tim.

Okay, ich war überrascht. Zunächst mal, dass da jemand bei diesem Thema ÜBERHAUPT anderer Meinung sein konnte. Dann, wie deutlich derjenige mir seine Meinung blies. Und: Dass der Typ ja zumindest theoretisch auch mal einen Job von mir kriegen könnte! Tst. Dem Regisseur widersprechen… Ganz schlechte Idee. Anfänger. SO schon mal gar nicht, mein Lieber!

Jedenfalls: Knapp drei Wochen nach diesem Twitter-Dialog stand ich mit Tim in einer Halle in Hamburg und wir drehten die ersten fünf von bis heute 15 How To-Videos für SEAT. Mit ihm als Moderator.

Was passierte nun dazwischen? Wir diskutierten zunächst noch ein Weilchen auf Twitter…

Dann verlagerten wir den Rest unserer Konversation in die privaten Nachrichten, wo ich irgendwann schrieb: „Okay. Ich hasse alle Snowboarder außer Tim Feldner.“

Der Gag war: Tim war genau zum selben Zeitpunkt wie ich ebenfalls im Zillertal, quasi zwei Skigebiete weiter links. Ein Treffen auf der Skipiste haben wir zwar nicht mehr hinbekommen, aber als ich wieder zurück in Hamburg war und die Moderatoren-Frage immer noch offen war, fiel mir eben dieser kackdreiste Tweet Dialog ein.

„Ich glaube, ich hab‘ da Einen.“, sagte ich zur Produktionsfirma. Seine Fotos und sein Typ kamen gut an, wir brauchten allerdings noch ein E-Casting-Video, und das möglichst fix. Ich rief Tim an. „Ich weiß, was du suchst und ich kann das alles. Ich hab‘ nur absolut keine Zeit, so ein Casting-Video aufzunehmen.“ Er war da nämlich gerade auf einem Moderationsjob in Hannover. Vor der Fahrt zur Messe hat er dann auf die Schnelle einen Clip auf dem Parkplatz improvisiert. Und was soll ich sagen: Alle waren happy! Und Tim damit engagiert. So kann’s laufen.

FREUNDSCHAFTSDIENST

Mit Tim habe ich nicht nur einen superprofessionellen, talentierten und absolut umgänglichen Moderator kennengelernt, sondern auch einen der nettesten, höflichsten und hilfsbereiteten Menschen, die mir überhaupt je begegnet sind.

Als Beispiel dafür möchte ich dieses verkorkste Projekt erwähnen.

Tim erfuhr nämlich durch ein paar verzweifelte Tweets von mir von der überraschenden Absage des ersten Hauptdarstellers und meiner Zeitnot. Der Zufall wollte es, dass er just an dem Drehtag sogar in Hamburg war, weil er nachts für eine andere Produktion drehen sollte. Er bot an, für meinen Film einzuspringen. Wohlgemerkt: Er hätte zwischen zwei Nachtdrehs(!) noch meinen Clip tagsüber eingeschoben.

Über Honorar hatten wir da noch gar nicht gesprochen – und auch nicht über das Produkt. Als wir das dann nachholten, hörte ich das Schlucken am anderen Ende deutlich: Es ging um E-Zigaretten – und Tim ist wohl der Typ in meinem Bekanntenkreis mit dem mit Abstand „healthigsten“ Lifestyle. Aber er biss sich spürbar auf die Lippen und bekräftige sein Hilfeangebot. Wow. Zum Glück musste ich es nicht annehmen.

Dennoch möchte ich behaupten, dass sich da eine Freundschaft entwickelt hat, jedenfalls haben wir uns seitdem jedes Mal getroffen, wenn ich in Köln war. Und auch wenn es dieses Jahr zeitlich nicht gepasst hat, bin ich mir sicher, dass wir auch nochmal zusammen ein paar Skipisten runterfahren werden. Ich! Mit einem Snowboarder! Mehr Liebe geht ja nicht.

 

 

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