Ich, Alan Smithee

Steven Spielberg, Stanley Kubrick, James Cameron – Regisseure, die jeder kennt. Aber wer von Euch kennt Alan Smithee? Vermutlich kaum jemand. Und das, obwohl dieser Name im Abspann zahlreicher Hollywood-Filme auftaucht. Achtet mal darauf. Das Geheimnis dahinter: Alan Smithee ist ein Pseudonym für einen fiktiven Regisseur, das immer dann verwendet wird, wenn der tatsächliche Regisseur dermaßen unzufrieden mit dem finalen Film ist, dass er seinen Namen nicht mit dem Werk in Verbindung gebracht haben möchte. Mehr Infos gibt es in der Wikipedia oder auch hier.

Alan Smithee_Director

Bei Werbefilmen gibt es ja in der Regel keinen Abspann – aber wenn es den gäbe, dann hätte ich ehrlich gesagt bei dem gerade abgeschlossenen Projekt auch ein Pseudonym genutzt. Es ist nämlich einer dieser Fälle, bei denen der Auftraggeber das Storyboard selbst geschrieben hat (Tipp by Kuchel: DON’T DO IT!). Mehr muss ich den Kennern meiner Branche wohl nicht dazu sagen.

Selbst die eigentlich verantwortliche Werbeagentur konnte ihren Kunden nicht überzeugen, dass seine Ideen wirklich – hm, wie schreibe ich das jetzt möglichst diplomatisch? – ziemlicher Schwachsinn sind. Ich werde so etwas niemals verstehen. Wenn ich mein Auto in die Werkstatt bringe, tue ich das doch auch, weil sich die lieben KFZies wesentlich besser mit der Kiste auskennen, als ich. Warum meint ein Firmenchef zu wissen, wie Filmemachen funktioniert?

Okay, die Umsetzung haben wir noch recht nett hinbekommen, wie ich finde. Der Inhalt ist dagegen völliger Kokolores. Nach der Vorstellung des Auftraggebers soll der Clip Neugierde erzeugen, indem beispielsweise das konkrete Produkt in dem Film noch nicht einmal genannt wird. Das Ziel, die Zuschauer dadurch zu animieren, sich auf der Homepage ausführlich zu informieren, ist in diesem Fall ein Irrglaube. Ich behaupte: Dem Auftraggeber geht so eine größere Zahl von Interessenten verloren, weil viele potenzielle Kunden nicht sofort die wichtigsten Infos erhalten und an dieser zusätzlichen „Hürde“ aussteigen werden – mit einem großen Fragezeichen im verwirrten Gesicht.

Um es also kurz zu machen: Der Clip ist in meinen Augen eine kommunikative Katastrophe. Und deshalb werdet Ihr ihn hier niemals zu sehen bekommen.

Herzlichst,

Euer Alan Smithee

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