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Making Of Shoot

One Shot – ein Schuss. Unter einem „One-Shot-Video“ (oder auch „One Take“) versteht man einen Spot oder Musikclip, der in einem Rutsch durchgedreht wird, ohne Pause, ohne Absetzen der Kamera, ohne Schnitt. Die ganze Szene läuft komplett an einem Stück durch. Passiert während der Aufnahme ein Fehler – alles nochmal von vorn. Googelt mal die Videos von der Band „OK Go“. Wahnsinn, was die schon für krasses Zeug in dem Stil gemacht haben.

Und damit wäre meine aktuellste Arbeit für die Europa Versicherungen auch schon erklärt. Es sollte auch ein One Shot Video werden, ein Sponsoring-Spot zur Handball-Europameisterschaft 2020. Ein Ding, das sich mal abhebt von den hektischen Schnitt-Orgien und wackelnden Kamerabewegungen heutiger Sportclips. Und es musste schnell gehen. Zwischen der überraschenden telefonischen Anfrage von Europa bei mir bis zum vorgegebenen Abgabetermin lagen exakt vier Wochen Zeit. Sportlich.

Aber es ging auch endlich mal wieder um das Thema Sport. Wer mich kennt, weiß, wie viel Herzblut und Leidenschaft ich Zeit meines Lebens in den Sport investiert habe. Herausforderung angenommen. Ich brannte von der ersten Sekunde an.

Aufgrund des nahen Abgabetermins konnten wir nicht wirklich Zeit in einen ausgefeilten Kulissenbau investieren. Es musste etwas Einfaches sein. Ich bastelte also eine Idee zusammen, die quasi nur durch die Kamerabewegung, verändernde Beleuchtungssituationen und das Schieben von ein paar Requisiten unterschiedliche Phasen der Turniervorbereitung symbolisieren sollte: Training, Teambuilding, Spiel-Emotionen. Passend zum Europa-Claim „Versicherung pur“ sollte auch der Spot einen puristischen, minimalistischen Look bekommen. Da matchte diese One Shot-Idee ganz gut, fand ich.

Die Crew stand schnell fest, der Hauptdarsteller war mit Sebastian schnell gefunden. Schwieriger war es mit den Nebenrollen. Ich wollte unbedingt richtig gute Handballer für den Dreh, keine Models, die sich Ball ein bisschen zuwerfen. Auch wenn es im Clip nur 2-3 kleine Aktionen sind. Ich schrieb mein Netzwerk an, fragte nach Kontakten in die Hamburger und Schleswig-Holsteiner Handballszene, bekam ein paar Nummern und E-Mail-Adressen. Aber es ging zu schleppend voran, die Zeit drückte.

Ich schrieb selbst ein paar Vereine aus der norddeutschen Oberliga an – keine Antwort. Nicht eine einzige! Vermutlich dachten die alle, ich mache einen Witz. Über einen familiären Kontakt bekam ich die Nummer von Torben, seines Zeichens Trainer der Oberliga-Herrentruppe vom TSV Weddingstedt. Eine WhatsApp Nachricht reichte. Schon am nächsten Tag meldete sich Torben mit neun bereitwilligen, handballspielenden „Nachwuchsdarstellern“ zurück. Wow. Parallel wurden Requisiten besorgt, Trikots mit dem Sponsorlogo bedruckt, Skizzen angefertigt. Es lief fast zu rund.

Und so trafen wir uns alle Mitte Dezember in einem Studio nahe Hamburg. Drehtag. Wir tasteten uns an die Szene ran. Zunächst die Requisiten platzieren, das Set bauen, den Kamera-Laufweg festlegen und Licht einrichten. Next Step: Die Darsteller in das Set einbauen, Laufwege und Aktionen absprechen, das richtige Timing für Kulissenschieber, Kameramann und Beleuchter finden. Und dann: Immer wieder proben, proben, proben – bis der Ablauf bei allen drin war. Ab 15 Uhr waren wir soweit und konnten die ersten Durchgänge filmen. Dazwischen immer wieder kleine Korrekturen.

Insgesamt 36 Mal spielten wir die kurze, rund 30-sekündige Szene durch. Davon waren ungefähr sechs Versuche brauchbar. Nummer 21 war dann für uns der beste Durchgang, der es in den Clip geschafft hat. Pünktlich um 20 Uhr waren wir fertig. Ein 12-Stunden-Tag für 30 Sekunden. Ja, Werbung ist schon irgendwie verrückt. Aber macht eben auch Spaß. Dieses Mal besonders.

Seit 20 Jahren mache ich professionell Videos, aber diese Produktion war irgendwie die beste, die ich je hatte (Lustig: Ende 2019 hatte ich noch gerade von meiner schlimmsten Produktion ever erzählt. Jetzt also wieder das komplette Gegenteil. Das Leben ist schon so eine Achterbahn…). Das gesamte Team war sensationell, der Umgang und die Atmosphäre am Set war mega; der Kunde unfassbar konstruktiv und kooperativ; das Engagement auch in der Post-Produktion extrem. Ich kann es mir wirklich nicht viel besser vorstellen. Deshalb nochmal an dieser Stelle: Antonia, Diana, Firma Erima, Florian, Gerd, Heinz, Henning, Jan, Jan B., Jessica, Kim, Kjell, Lasse, Luka, Lukas, Marco, Mike, Oliver, Sebastian, Sören, Stefan, Tom, Torben und Veith – es war toll mit Euch, lieben Dank!

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